Was ist eigentlich Siedfleisch?
Siedfleisch ist die schweizerische Schwester vom österreichischen Tafelspitz: ein grosses Stück Rindfleisch, das langsam in aromatischer Brühe zieht, bis es sich mit der Gabel teilen lässt. Bei uns gehört es zu den Gerichten, die man nicht nebenbei kocht, sondern an einem ruhigen Tag, an dem der Topf ein paar Stunden für sich hin simmern darf.
Der Trick steckt nicht in einer geheimen Zutat, sondern in zwei Handgriffen: Das Fleisch wird zuerst kurz blanchiert und kalt abgeschreckt, damit die Brühe später klar bleibt, und danach nur ganz sanft unter dem Siedepunkt gegart, nie sprudelnd gekocht. So wird das Fleisch butterzart und die Brühe kräftig und durchsichtig zugleich. Ja, es dauert drei bis vier Stunden, aber davon ist fast alles Wartezeit. Die eigentliche Arbeit ist in einer halben Stunde erledigt.
In der Schweiz heisst das Gericht oft Buurespitz oder Buurezmorge und ist auf vielen Bauernhöfen ein klassisches Sonntagsessen. Am Ende hast du zwei Dinge aus einem Topf: zartes Fleisch für den Teller und eine klare Brühe, die als Suppe oder als Grundlage für Saucen weiterlebt. Nichts wird weggeschüttet.
Warum du dieses Gericht lieben wirst
- Nur ein Stück Fleisch, etwas Wurzelgemüse und Geduld: mehr braucht dieser Klassiker nicht.
- Die lange Garzeit ist fast reine Wartezeit, die aktive Arbeit ist in einer halben Stunde erledigt.
- Zwei Gerichte aus einem Topf: das zarte Fleisch und eine klare, kräftige Brühe.
- Ein Sonntagsessen, das sich gut vorbereiten lässt und beim Aufwärmen nur besser wird.
- Gelingsicher, solange die Brühe nur sanft simmert und nie sprudelnd kocht.
Welches Fleisch für Siedfleisch?
Für Siedfleisch eignen sich gut durchzogene Stücke aus Brust, Federstück oder Schulter. Ein Stück mit etwas Fett bleibt beim langen Garen saftig und bringt mehr Geschmack in die Brühe als ein ganz mageres. Beim Metzger lohnt sich die Frage nach einem Stück, das für langes Sieden gedacht ist. Die Garzeit hängt von Zuschnitt und Rinderrasse ab, ein gut abgehangenes Stück wird zuverlässiger zart.
Die genauen Mengen stehen in der Rezeptkarte am Ende des Artikels.
So gelingt Siedfleisch – Schritt für Schritt
Der Ablauf lohnt sich in dieser Reihenfolge: erst das Gemüse rüsten, dann das Fleisch blanchieren, danach übernimmt der Topf die Arbeit fast von allein. Nur der letzte Schliff mit der Einlage kommt ganz zum Schluss.
Das Gemüse rüsten
Die Zwiebeln, Karotten, Stangensellerie und Lauch in grobe Stücke schneiden. Sie geben ihr Aroma an die Brühe ab und müssen deshalb nicht fein sein.
Das Fleisch blanchieren
Das Siedfleisch in kochendem, gesalzenem Wasser kurz ankochen lassen, dann abgiessen und mit kaltem Wasser abschrecken. Das entfernt Trübstoffe und ist der Grund, warum die Brühe später klar wird.
Wird dieser Schritt weggelassen, flockt beim Garen Eiweiss aus und die Brühe wird milchig trüb. Die zwei Minuten Blanchieren sparen später das Abschöpfen vom Eiweiss.
Fleisch und Gemüse ansetzen
Das Fleisch in leicht gesalzenes siedendes Wasser geben, das vorbereitete Gemüse und die Lorbeerblätter dazugeben. Die Flüssigkeit soll nur sanft simmern, knapp unter dem Siedepunkt, damit die Brühe klar bleibt.
An der Oberfläche sollen nur einzelne Blasen aufsteigen, kein sprudelndes Kochen. Steigt es zu stark, die Hitze so weit zurücknehmen, dass es gerade noch zittert.

Geduld haben, bis es zart ist
Die Garzeit hängt von Fleischstück und Rinderrasse ab. Bei Hochlandrindern dauert es erfahrungsgemäss drei bis vier Stunden. Ist das Fleisch noch fest, einfach weitergaren lassen. Fertig ist es, wenn es sich leicht mit der Gabel teilen lässt.
Wenn das Fleisch noch gummig wirkt, ist es fast immer eine Frage von weiteren dreissig Minuten, nicht von höherer Hitze.
Die Einlage fertigstellen
Sobald das Fleisch zart ist, herausnehmen und warm stellen. Die Brühe durch ein Sieb giessen, die klein gewürfelte Brunoise aus Karotten, Sellerie und Lauch hineingeben und etwa 10 Minuten sieden lassen.


Anrichten und servieren
Das Fleisch in Scheiben schneiden und mit der heissen Gemüsebrühe servieren. Frisch geraspelten Meerrettich oder Kren dazu reichen.

Tipps & Varianten
Ein gut durchzogenes Stück Rindfleisch bleibt saftiger und bringt mehr Geschmack als ein mageres.
Die abgesiebte Brühe ist zu schade zum Wegschütten: Sie ist eine ausgezeichnete Grundlage für Suppen und Saucen und lässt sich portionsweise einfrieren.
Beim Gemüse kannst du neben Karotten und Sellerie auch Petersilienwurzel oder Pastinake mitkochen.
Als Beilage passen Pell- oder Salzkartoffeln, frisches Bauernbrot mit Essiggurken oder, ganz klassisch, eine kräftige Portion Meerrettich.
Statt Meerrettich schmeckt auch eine feine Schnittlauch- oder Senfsauce dazu.
Wer es als Suppe mag, gibt Nudeln oder Flädli in die klare Brühe.
FAQ für Siedfleisch
Wenn es sich leicht mit einer Gabel zerteilen lässt, ist es perfekt gegart. Bleibt es fest, einfach weitergaren.
Ja, dadurch verkürzt sich die Garzeit deutlich. Allerdings wird die Brühe im Schnellkochtopf leichter trüb, weil sie stärker in Bewegung ist.
Sehr gut sogar. Das Fleisch vorab garen, in der Brühe abkühlen lassen und später sanft darin wieder erwärmen. Kalt lässt es sich ausserdem sauberer in Scheiben schneiden.
Weitere köstliche Rezepte:
Siedfleisch Sous-Vide: butterzartes Rindfleisch, im Wasserbad auf den Punkt gegart und danach kurz angebraten
Hühnerfrikassee: zarte Hühnerstücke in heller, samtiger Rahmsauce mit Champignons und Erbsen
Siedfleischcarpaccio mit Gemüsevinaigrette: hauchdünn aufgeschnittenes Siedfleisch mit einer frischen, säuerlichen Gemüsevinaigrette
Zögere nicht, mir einen Kommentar zu hinterlassen, ich freue mich immer darüber!

Finde mich auch auf Instagram, Facebook, TikTok und YouTube, um einen Blick hinter die Kulissen meines Blogs zu werfen.
Rezeptkarte
In der Rezeptkarte befinden sich Amazon Affiliate Links. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Für dich ändert sich am Preis nichts.

Köstliches Siedfleisch mit aromatischem Gemüse
Kochutensilien
- 1 Sieb
Zutaten
- 2 Zwiebeln
- 2 kg Siedfleisch
- 100 g Karotten
- 100 g Stangensellerie
- 2 Stangen Lauch
- 4 Lorbeerblätter
- frisch gemahlener Pfeffer
- 1 TL Salz
- 1,5 l Wasser
- 1 EL Meerrettich oder Kren
Anleitungen
- Die Zwiebeln, Karotten, Stangensellerie und Lauch in grobe Stücke schneiden.
- Das Siedfleisch in kochendem, gesalzenem Wasser blanchieren (kurz ankochen lassen). Anschliessend abgiessen und kalt abspülen.
- Das Fleisch in leicht siedendes Salzwasser geben. Das vorbereitete Gemüse und den Lorbeer dazugeben. Die Flüssigkeit soll sanft simmern (knapp unter dem Siedepunkt). Nicht sprudelnd kochen, sonst wird die Brühe trüb.
- Sanft garen, bis das Fleisch zart ist. Je nach Fleischstück und Rinderrasse dauert das unterschiedlich lange, bei Hochlandrindern 3–4 Stunden. Fertig ist es, wenn es sich leicht mit der Gabel teilen lässt.
- Das zarte Fleisch herausnehmen, die Brühe durch ein Sieb giessen, die Brunoise dazugeben und nochmals 10 Minuten sieden lassen.
- Das Fleisch in Scheiben schneiden und mit der Gemüsebrühe servieren. Geraspelten Meerrettich (Kren) dazu reichen.
Video
Notizen
- Wenn du das Rezept für Gäste kochst, kannst du es gut vorbereiten: das Fleisch garen, in der Brühe abkühlen lassen und später sanft darin wieder erwärmen. Kalt lässt es sich sauberer schneiden.
- Reste im Kühlschrank halten in der Brühe etwa 3 Tage, portionsweise eingefroren rund 3 Monate.







Schreibe einen Kommentar